Kaspar von Peter Handke, Premiere beim Greizer Theaterherbst, 16. September 2017

Peter Handke

Kaspar

(eine Sprechfolterung)

mit

Lea Barletti und Werner Waas

Dauer 1h 30 (ohne Pause)

eine Produktion von Barletti/Waas

in Zusammenarbeit mit dem ItzBerlin e.V.

Mitarbeit: Iacopo Fulgi, Harald Wissler

Premiere: 16. September 2017 – Greizer Theaterherbst

Aus Handkes Vorwort:

Das Stück „Kaspar“ zeigt nicht, wie ES WIRKLICH IST oder WIRKLICH WAR mit Kaspar Hauser. Es zeigt, was MÖGLICH IST mit jemandem. Es zeigt, wie jemand durch Sprechen zum Sprechen gebracht werden kann. Das Stück könnte auch „Sprechfolterung“ heißen…“

Zur Inszenierung:

„Kann man einen Menschen durch Sprechen, durch eine „Sprechfolterung“ wie Handke es ausdrückt, zu einer Identität bringen, die „zufällig“ durch die gewählte Sprache und die ihr innewohnende Struktur bedingt wird? Am Anfang ist Kaspar eine Art autistisches Wesen mit einem unmittelbaren und grenzenlosem Bezug zu allem, was ihn umgibt. Am Ende ist Kaspar „in die Wirklichkeit übergeführt“ und weiß auch, was er dabei verloren hat.

Diese Geschichte ist uns allen gemeinsam, auf sie fußt alles, was man Bewußtsein nennt. Empfindungen und Worte passen nicht zusammen, man kann den Worten nicht trauen, man kann sich höchstens in Sätzen zurechtfinden, dem eigenen Mißtrauen nachspüren und entdecken, daß es immer weiter geht.

Lea Barletti und Werner Waas spielen dieses Spiel mit offenen Karten und lassen sich bei dieser „Folterung“ zusehen, die eigentlich ein Weg ins Ungewisse ist. Die Frage ist hier auch: Wer manipuliert hier wen? Wer braucht wen zum Überleben? Wer ist wer und vor allem, warum?

Am Ende sind wir alle gleich und viel näher beisammen als wir das so gemeinhin behaupten würden. Wir sind alle Kaspar – man muß sich nur die Zeit nehmen, genau hinzuhorchen.

Was bedeutet eigentlich dieser Satz: „Ich möcht’ ein solcher werden, wie einmal ein andrer gewesen ist.“? Kaspar ist nur unser Stellvertreter auf dieser abenteuerlichen Reise in die Wirklichkeit.“ Lea & Werner

Über uns:

– Wir arbeiten als Paar und als Künstler an Zwischenräumen.

Uns interessiert ein Diskurs, der Welt erschafft, jene Welt, die entsteht zwischen zweien, wenn sie diskutieren, zwischen einem Schauspieler und einem Zuschauer, zwischen einem Schauspieler und einem anderen Schauspieler, zwischen Text und Aktion, zwischen Wort und Präsenz, zwischen Geste und Musik.

– Wir sind das zufällige Ich, das in sich die Welt erfährt, sich selbst als Abbild der anderen, als Teil eines Organismus, einer Landschaft.

Uns interessiert nicht, von uns zu sprechen, uns interessiert durch uns hindurch von der Welt zu sprechen. Uns interessieren Texte, durch die dieser Diskurs möglich wird.

– Unsere Sprachlosigkeit, unser Scheitern, unser Mut und unsere Beharrlichkeit entspringen unserer Empathie mit der getretenen Welt.

Uns interessiert nicht, besser zu sein, uns interessiert, verständlich zu sein, uns interessiert nicht, cool zu sein, uns interessiert, verletzbar zu sein, uns interessiert nicht, auf Distanz zu gehen, uns interessiert, die Dinge aus der Nähe zu betrachten.

– Wir suchen nach einer Möglichkeit des Ausdrucks, die nicht vorherbestimmt ist. Wir suchen nach einem Sagen, das nicht nur am wörtlichen Sinn kleben bleibt.

Wir haben keine Wahrheit zu verkünden: wir haben nur zu sprechen, Wörter und Dinge zu hinterfragen, Empfindungen und Beziehungen einen Namen zu geben, einen Sinn zu suchen, einen Weg zu suchen, ein Zuhause zu suchen.

– Wir wechseln ständig zwischen Sprachen und Formen, weil wir einfach nicht zuhause sind, dort wo wir hineingeboren wurden und uns mit Selbstverständlichkeiten schwer tun.